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Zermatt Music Festival 9.9. bis 18.9.2016

Vom 9. September bis zum 18. September findet wieder das Zermatt Music Festival mit den Musikern des Scharoun Ensembles statt.

Vor 12 Jahren hat das Scharoun Ensemble die Kammermusikakademie des Zermatt Festivals ins Leben gerufen. Während des zweiwöchigen Zermatt Festivals unterrichtet das Scharoun Ensemble ca. 35 junge hochbegabte Musiker aus der ganzen Welt in einer sehr intensiven Probenphase in zahlreichen verschiedenen Kammermusikformationen und auch im gemeinsamen Orchestermusizieren.

In diesem Jahr freut sich das Scharoun Ensemble außerdem auf gemeinsame Konzerte u.a. mit Ton Koopman, Martin Helmchen, Jean-Guihen Queyras und Noah Bendix-Balgley, dem neuen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker.

http://www.zermattfestival.com/

Die neue CD des Scharoun Ensembles mit Werken von Antonin Dvorák ist da!

Dvorak CD cover

FONO FORUM, Clemens Haustein
CD-Rezensionen November 2015

Antonin Dvorák liebte die Kammermusik für Streicher – und er schrieb immer wieder für außergewöhnliche Besetzungen. Die kamen häufig zustande, weil Dvorák für häusliche Anlässe komponierte: Seine Bagatellen op. 47 für Streichtrio und Harmonium schrieb er, damit sich auch ein befreundeter Musikkritiker am Spiel beteiligen konnte; sein wundervolles Terzetto op. 47 für zwei Geigen und Bratsche entstand für einen geigenden Nachbarn, dessen Lehrer – und sich selbst an der Viola. Diese Stücke komponierte Dvorák meist schnell, beiläufig ist diese Musik ganz und gar nicht. Wie fein winden sich in den Bagatellen die Streicherstimmen umeinander, wie kunstvoll ist der Kanon zwischen Geige und Cello im vierten Stück! Dvorák veredelt damit den folkloristischen Tanzton, der dieses Werk prägt – und mit dem er wiederum auf die Besetzung reagiert. „Der Dudelsack spielte heute“, lautet das tschechische Lied, das er zu Beginn der ersten Bagatelle ausführlich zitiert. Das Harmonium liefert dazu die blasebalghaften Liegetöne und steuert später milden Dämmerschein zum Ensembleklang bei. Das Scharoun Ensemble aus Musikern der Berliner Philharmoniker mit Wolfgang Kühnl am Harmonium spielt das mit viel Liebe, mit wehmütigem Schmelz – und steigert sich im Terzetto op. 47 weiter. Wunderbar voll und warm ist hier der gemeinsame Klang (ein Cello muss man bei solch voluminösem Bratschenton nicht vermissen), durchhörbar ist Dvoráks feiner Stimmensatz dennoch in alle Feinheiten hinein, die rhythmische Eleganz im kristallhaft funkelnden Scherzo nimmt schließlich vollends für sich ein. Eine ebenso elegant-liebevolle Wiedergabe des Streichquintettes op. 77 rundet diese starke Aufnahme ab.

rbb – Kulturradio, Volker Michael
CD DER WOCHE | 12.10. – 18.10.2015

Seit über dreißig Jahren steht der Name Scharoun-Ensemble Berlin für kammermusikalische Präzision – und Neugier.
Das Ensemble setzt sich mehr oder minder komplett aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker zusammen und hat eine Oktett-Formation als Kern. Von Bach bis zur unmittelbaren Gegenwart reicht das Repertoire, wobei der Schwerpunkt durchaus auf dem Neuen und Ausgefallenen liegt.
Jetzt haben Mitglieder des Scharoun-Ensembles in einer Koproduktion des rbb mit dem Schweizer Label TUDOR eine CD mit Werken von Antonín Dvořák herausgebracht. Diese Neuerscheinung beinhaltet die Bagatellen op. 47, das Terzetto op. 74 und das Streichquintett op. 77.

Musik für Amateure
Wolfram Brandl ist erster Geiger des Scharoun-Ensembles und maßgeblich an der Aufnahme mit Dvořák-Stücken beteiligt – er genießt es hörbar, bei Dvořáks Musik ins Volle greifen zu können, wenn die herrllich dankbaren Melodien an- und abschwellen.
Neben dem Streichquintett aus der mittleren Schaffensphase des Komponisten sind auf der CD zwei ausgefallene Werke vertreten, in exquisiter Besetzung: Das Terzetto für zwei Geigen und eine Bratsche und die Bagatellen für zwei Geigen, Cello und Harmonium.
Diese Musik hatte Dvořák nicht unbedingt für Profis gedacht, sondern für die Hausmusik seiner Bekannten und Freunde, für Laien also, Amateure, Dilettanten.
Es kann ja bisweilen ein wenig problematisch klingen, wenn hervorragende Profimusiker Werke spielen, die eigentlich für Laien oder Kinder entstanden sind. Doch das ist die besondere Qualität der Musik Antonín Dvořáks: Sie klingt bestechend klar und verständlich, ohne sich anzubiedern – wenn sie so liebevoll und detailgenau gespielt wird wie hier von Wolfram Brandl und seinen Kollegen.

Mit Hingabe ergründet
In den drei Stücken dieser CD tritt uns ein Antonín Dvořák gegenüber, der gerade seinen eigenen Stil zu finden beginnt, der all das, was er der Wiener Klassik und der deutschen Romantik abgelauscht hat, in seine eigene, stolze tschechische Sprache zu übersetzen beginnt.
Dabei besaß er nicht nur eine geniale Erfindungskraft, was Melodien und Rhythmen angeht, sondern auch geradezu impressionistische Klangvorstellungen. Die hat das Scharoun-Ensemble mit Hingabe ergründet und die Bagatellen in der charmanten Originalversion mit Harmonium eingespielt. Das wirkt dann melancholisch, wie Brandl meint, oder auch skurril und aus der Zeit gefallen.
Die Mitglieder des Scharoun-Ensembles finden hier wie auch in den anderen beiden Dvořák-Stücken den richtigen Ton. Sie haben sich eingehend mit dieser Liebhabermusik und dem Quintett des stilsuchenden Komponisten beschäftigt.
Dabei haben sie viele Dinge ausprobiert und schließlich eine kluge Balance gefunden zwischen Virtuosität und Schlichtheit. Auch in dem Terzett für zwei Geigen und Bratsche, das eigentlich ein Trio ist und das Dvořák für sich selbst als Bratscher komponiert hat.

Facettenreich und spannend
Regelrecht sinfonische Dimensionen erreicht Dvořák im Streichquintett op. 77. Das zeigt besonders deutlich seine musikalischen Wurzeln und seine Experimentierfreude. Dessen Anfang lässt das Scharoun-Ensemble geheimnisvoll wagnerianisch wabern.
Facettenreich und spannend gestaltet es dann die komplexen Durchführungen und stellt besonders die Tanz- und Spielfreude der Mittelsätze heraus. Selbst in diesem Stück sieht Dvořák eine spezielle Klangfarbe vor, nämlich einen Kontrabass. Der sei eben “wie ein guter Bass in einer guten Band” zu spielen, sagt Wolfram Brandl. Peter Riegelbauer heißt auf dieser CD der Bassist, der “Quasi-Schlagzeuger” – und die gute Band ist eindeutig das Scharoun-Ensemble.

„SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“
CD-Tipp vom 9.10.2015 von Eleonore Büning

Dvořák komponierte die Bagatellen op. 74 im Jahr 1878 für einen Hausmusikzirkel in Prag, der sich regelmäßig jeden Mittwoch traf und bei dem er selbst die Bratsche spielte. Der Cellist dieses Freundeskreises, ein Musikschriftsteller, stellte seine Wohnung zur Verfügung, aber er besaß kein Klavier, sondern nur ein Harmonium. Und so komponierte Dvořák also ein Quartett für drei Streicher und Harmonium. Er behandelt das Instrument nicht als Klavierersatz, sondern idiomatisch: Mal klingt das wie ein Akkordeon, mal wie eine Orgel, mal wieder wie ein ganzer Bläsersatz. Und Dvořák bestand darauf, dass, als dieses Werk bei Simrock in Druck erschien, das Klavier nur ersatzweise ad libitum aufgeführt wurde, im Falle, dass man gerade kein Harmonium zur Hand hatte.
Der Sound dieser Quartettmusik, der uns heute exotisch vorkommen mag, war im 19. Jahrhundert allerdings noch vertraut. Das Harmonium hatte hohe Konjunktur als ein Instrument der Hausmusikkultur. Rossini vertraute ihm ernsthafte Aufgaben an, Camille Saint-Saens, Max Reger und viele andere schrieben Originalkompositionen für Harmonium. Erst als mit Erfindung der Tonaufzeichnung die Hausmusik so nach und nach aus der Mode kam, also erst im frühen 20. Jahrhundert, stieg dieses Instrument ab ins musikalische Souterrain und verwandelte sich in eine komische, bigotte, alte Tante.
Vergleichsweise normal besetzt ist das Terzett op. 74 für zwei Violinen und Bratsche, das Dvořák neun Jahre später komponierte, diesmal nicht für seine lieben Prager Hausmusikspezis, was man schon daran merken kann, dass es spieltechnisch für Laienmusiker ziemlich anspruchsvoll ist.
Das Album mit Kammermusik von Antonín Dvořák hat freilich ein Herzstück: Und das ist das dunkel timbrierte Streichquintett G-Dur op. 77 mit dem Bassfundament, darin statt des zweiten Cellos ein Kontrabass spielt. Entstanden 1888, ein Jahr nach dem Terzett, hat auch dieses viersätzige Werk einen Scherzo-Satz, in dem das böhmische Musikantentum zu sich selbst findet. Es sind ja immer die Scherzi bei Dvořák, in denen die Volkslieder weitergeträumt werden und in denen das Tanzbein zuckt.
Das Scharoun Ensemble trägt nicht umsonst den Namen von Hans Scharoun, dem Architekten der Berliner Philharmonie. Schon seit 1983 spielt diese Kammermusikformation zusammen, die sich aus Berliner Philharmonikern zusammensetzt, was eine unvergleichlich hohe Kultur des Zusammenspiels garantiert. Natürlich spielen sie in immer wechselnder Besetzung, je nach den Werken; und neben dem Kontrabassisten Peter Riegelbauer, der schon seit 1981 bei den Berliner Philharmonikern ist und noch neun Jahre unter Karajan gespielt hat, wachsen außerdem auch immer neue, junge Philharmoniker nach – wie zum Beispiel der famose junge Bratscher Micha Afkham, Absolvent der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker. Die hohe Musizierqualität dieses ad hoc-Ensembles macht aus jedem einzelnen Werk dieses Album eine Preziose.