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Neue CD – Hans Werner Henze und das Scharoun Ensemble

mit Daniel Harding, Andrew Staples und Jügen Ruck

Neue Volkslieder und Hirtengesänge (Für Fagott, Gitarre und Streichtrio) (1983/1996)

Kammermusik 58 über die Hymne In lieblicher Bläue: Drei Tentos (für Gitarre, Tenor und Solo Instrumente)

Es gibt Kompositionen, die Musikerinnen und Musiker oftmals ein Leben lang begleiten: Werke, die man immer wieder aufs Neue erarbeitet, an deren Details man feilt und deren Struktur man formt. Für das Scharoun Ensemble Berlin gehört Hans Werner Henzes Kammermusik 1958 zu diesen musikalischen Lebensbegleitern, ja, es ist so etwas wie das »Signature Piece« der Formation.
Der Austausch mit zeitgenössischen Komponisten ist dem Scharoun Ensemble seit jeher ein großes Anliegen. György Ligeti, Pierre Boulez, György Kurtág oder Wolfgang Rihm haben die Gruppe auf ihrem künstlerischen Weg ebenso begleitet wie Komponisten der jüngeren Generation, darunter Jörg Widmann und Matthias Pintscher. Die Verbindung zu Hans Werner Henze war für die Musiker des Scharoun Ensembles indes immer eine ganz besondere.
Der Kontakt entstand bereits kurze Zeit nach der Gründung des Ensembles im Jahre 1983. Bald entwickelten sich erste gemeinsame Projekte in Köln, Berlin und einigen anderen deutschen Städten. Hans Werner Henze komponierte für die Gruppe Werke wie die Neuen Volkslieder und Hirtengesänge, die er mit den Musikern auch erarbeitete.
Die Proben mit Henze erwiesen sich für das Scharoun Ensemble als außerordentlich wichtige Erfahrungen. Schnell wurde klar, dass der Komponist beispielsweise die Kammermusik freier als in der Partitur notiert interpretierte. Henze nahm etwa manche Tempi langsamer, so dass die Musik gesanglich, geradezu romantisch, anmutete. Aus diesem gemeinsamen Studieren entwickelten sich echte Freundschaften. Wann immer Henze in Berlin war, traf er »sein« Scharoun Ensemble. Doch auch einzelne Mitglieder besuchten den verehrten Maestro in seinem Anwesen »La Leprara« bei Marino am Albaner See.
Als Henze am 27. Oktober 2012 in Dresden starb, endete eine über 20jährige musikalische Partnerschaft. Auf dem Programm des Gedenkkonzertes, dass das Scharoun Ensemble im drauffolgenden Jahr in der Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum spielte, stand jenes Werk, mit dem die Verbindung Jahrzehnte zuvor begonnen hatte: die Kammermusik 1958. Unter der Leitung von Daniel Harding wirkten neben dem Scharoun Ensemble der Tenor Andrew Staples und der Gitarrist Jürgen Ruck mit, die sich als Idealbesetzung erwiesen. Die vorliegende CD-Einspielung schließt gewissermaßen den Kreis: aus dem Gedenkkonzert hervorgegangen, ist sie das Dokument der Freundschaft von Hans Werner Henze und dem Scharoun Ensemble und zugleich deren Vermächtnis.